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Exponate - Forschungsergebnisse
Das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum trauert um seinen ehemaligen Vorsitzenden Prof. Dr. Harry O. Ruppe



Professor Ruppe, der dem Trägerverein des ältesten deutschen Raumfahrtmuseums in Feucht von 1995 bis 2004 vorstand, verstarb am 12. März 2016 im Alter von 86 Jahren in München.

Ruppe arbeitete ab 1957 in den USA zusammen mit Wernher von Braun und Hermann Oberth am US-Raketen- und Raumfahrtprogramm. Er arbeitete zunächst an den Sonden Pioneer 3 und Pioneer 4 mit, die im März 1959 um den Mond flogen, war dann am Apollo-Projekt beteiligt, dessen Höhepunkt die erste Mondlandung 1969 war und hatte maßgeblichen Anteil an frühen Überlegungen für bemannte Marsmissionen. Mit einer Arbeit über die Kosten solcher bemannter Marsmissionen wurde er 1963 an der Technischen Hochschule Berlin promoviert. Von 1966 bis 1994 leitete Ruppe den Lehrstuhl für Raumfahrttechnik der Technischen Universität München.

Das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum verneigt sich in Dankbarkeit vor der Persönlichkeit und bleibenden Leistung seines ehemaligen Vorsitzenden.

Prof. Dr. Ulrich Walter – Robert Adams – Klaus-Dieter Schramm – Karlheinz Rohrwild






Deutsches Raumfahrtmuseum global vernetzt
Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum in Feucht bei Nürnberg wurde in die
Weltorganisation der Raumfahrt aufgenommen


20.12.2015 - Das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum in Feucht bei Nürnberg ist jetzt Mitglied der Internationalen Astronautischen Föderation (IAF), der Weltorganisation der Raumfahrt. Beim Jahreskongress der IAF Mitte Oktober in Jerusalem nahm die Generalversammlung der Organisation das Spezialmuseum für frühe Raumfahrtgeschichte in seine Reihen auf. Die Aufnahme wurde dem Museum nun durch das IAF-Sekretariat in Paris offiziell bestätigt.

Das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum ist damit weltweit eines von nur fünf Museen und eine von zwanzig Institutionen in Deutschland, die der IAF
angehören. In der IAF tauschen sich neben allen großen staatlichen Raumfahrtagenturen wie NASA, ESA oder DLR vor allem auch Raumfahrttechnik-Unternehmen aus aller Welt regelmäßig über aktuelle Fragen der Raumfahrt aus.

Museumsdirektor Karlheinz Rohrwild, der selbst seit Jahren in internationalen raumfahrthistorischen Gremien mitarbeitet, freut sich mit dem Vorsitzenden des Trägervereins, D-2 Astronaut Prof. Dr. Ulrich Walter sehr über diese Anerkennung ihres Hauses und der dort geleisteten Arbeit.

Als äußeres Zeichen der Mitgliedschaft erhält das Museum eine im All geflogene IAF-Flagge, die ihren Platz in der Dauerausstellung des Museums finden wird.

Das Museum, benannt nach dem ursprünglich aus Siebenbürgen (heute Rumänien) stammenden Raumfahrt- und Raketentechnikpionier Prof. Hermann Oberth, wird seit 1971 von einem gemeinnützigen Verein im mittelfränkischen Markt Feucht betrieben, wo Oberth seine zweite Heimat gefunden hatte. Neben einer kleinen, erst kürzlich grundlegend umgestalteten, ständigen Ausstellung kümmert sich das Museum aktiv um die Erforschung der frühen Raumfahrtgeschichte mit einem Fokus auf der Zeit der 1920er Jahre. Dazu kann das Museum auf ein umfangreiches Archiv rund um den wissenschaftlichen Nachlass des „Vaters der Raumfahrt“ zurückgreifen, das laufend ergänzt wird.

Oberths wegweisende Schriften entstanden in der Zeit der Weimarer Republik: 1923 „Die Rakete zu den Planetenräumen“ und 1929 „Wege zur Raumschiffahrt“. Nach Hermann Oberth ist ein Krater am Nordpol des Mondes benannt.

Mehr zur Internationalen Astronautischen Föderation hier.





Drei Bundespolitiker in unserem Museum

Am 10. August besuchte uns die Wahlkreisabgeordnete im Deutschen Bundestag, Marlene Mortler zusammen mit ihren Kollegen Hartmut Koschyk, MdB, dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten und Stefan Müller, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie Feuchts Erstem Bürgermeister Konrad Rupprecht. Wir freuen uns über interessante Anregungen und ein ausgesprochen positives Gespräch!


Gruppenbild mit Raumfahrtpionier im Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum in Feucht: v.l. Museumsdirektor Karlheinz Rohrwild, , Forschungsstaatssekretär Stefan Müller, MdB, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und Wahlkreisabgeordnete Marlene Mortler, MdB, Feuchts Bürgermeister Konrad Rupprecht, Museumsschatzmeister Klaus-Dieter Schramm und der Aussiedlerbeauftragte der Bundesregierung Hartmut Koschyk, MdB


Hier der ausführliche Bericht zum Besuch der Abgeordneten, die vor ihrem Besuch bereits bei den Kollegen des "Bubenreutheums" zu Gast waren:

Museale Geheimtipps mit Perspektive
Fränkische Bundestagsabgeordnete Koschyk, Müller und Mortler besuchen
besondere Museen in Bubenreuth und Feucht zur Musik-, Integrations- und Raumfahrtgeschichte

Auf Initiative des Erlanger Bundestagsabgeordneten, Forschungsstaatssekretär Stefan Müller besuchte am 10. August der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk, MdB die Ausstellung „Vision Bubenreutheum – Musik und Integration“ in Bubenreuth und anschließend gemeinsam mit Bundesdrogenbeauftragter Marlene Mortler, MdB in ihrer Eigenschaft als Bundestagsabgeordneter für das Nürnberger Land das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum in Feucht.


Bubenreuth hat eine besondere, einzigartige Geschichte: 500 Einheimische waren nach dem Zweiten Weltkrieg dazu bereit, 2.000 Musikinstrumentenbauer aus Schönbach im Egerland in ihrer Gemeinde aufzunehmen und in ihr Gemeinwesen zu integrieren. Dazu entstand in kurzer Zeit ein eigener, neuer Ortsteil, die Geigenbauersiedlung.

Diese enorme Integrationsleistung bildete die Grundlage für eine weltweite Erfolgsgeschichte, den Aufstieg Bubenreuths von einem agrarisch geprägten Dorf zur europäischen Metropole des Saiteninstrumentenbaus. Bubenreuther Musikinstrumente kamen an ganz prominenter Stelle in allen Genres zum Einsatz – von der Klassik über den Jazz bis hin zum Schlager und der Popmusik.

Ziel in Bubenreuth: Museum für Musik und Integration

Die kleine Ausstellung „Vision Bubenreutheum – Musik und Integration“ im Keller des Bubenreuther Rathauses soll, wenn es nach den ehrenamtlichen Verantwortlichen des Bubenreutheum e.V. geht, baldmöglichst die Keimzelle eines eigenständigen Museums werden, in dem die einzigartige Kombination aus internationaler Musikgeschichte und der besonderen Integrationsgeschichte der Gemeinde dargestellt werden soll.

Im Gespräch der Abgeordneten mit dem Vorsitzenden des Museumvereins Dr. Christian Hoyer und Bubenreuths Bürgermeister Norbert Stumpf entwickelten sich schnell Gedanken, wie das über Bubenreuth hinaus bedeutsame Museumsprojekt unterstützt werden könnte. Bereits nach der Sommerpause, so die Bundespolitiker, sollen Kontakte geknüpft und weitere Gespräche geführt werden.

Feucht: Zweite Heimat für den ‚Vater der Raumfahrt‘

Am genau entgegengesetzten, südöstlichen Rand des Großraums Nürnberg, in Feucht, fand gegen Ende des Zweiten Weltkriegs Prof. Hermann Oberth mit seiner Familie eine zweite Heimat. Der Siebenbürger Sachse Oberth gilt gemeinsam mit dem Russen Konstantin Ziolkowski und dem Amerikaner Robert Goddard als „Vater der Raumfahrt“. In den 1920er Jahren hatte er in zwei wegweisenden Arbeiten erstmals eine durchgerechnete theoretische Grundlage für die Raumfahrt mithilfe von Flüssigkeitsraketen vorgelegt.

Bereits seit 1971 existiert in Feucht das nach Oberth benannte kleine Museum. Seit 2012 hat der Trägerverein des Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museums das Haus grundlegend umgestaltet und inhaltlich völlig neu strukturiert, um das begrenzte verfügbare Raumangebot bestmöglich zu nutzen. Anhand einzigartiger Exponate zeigt man heute – ausgehend von den bahnbrechenden Leistungen Oberths – die Entwicklungsgeschichte der Raumfahrt. Schwerpunkt dabei ist die frühe Raumfahrtgeschichte, die auch den Sammlungsschwerpunkt bildet.

Neben der Museumsarbeit verfügen Museumsdirektor Karlheinz Rohrwild und sein Team über einen umfangreichen Archiv- und Literaturbestand, der laufend durch Erwerbungen ergänzt und im Rahmen eigener Forschungen bearbeitet wird. Zu diesem Archiv gehört vor allem auch der wissenschaftliche Nachlass des Raumfahrtpioniers, der sich seit 1988 im Eigentum des Marktes Feucht befindet. Dieser Nachlass ist bislang nur teilweise erschlossen, aber derzeit aus Mangel an passenden Räumlichkeiten eingelagert und deshalb nur sehr eingeschränkt zugänglich.

Wie diese Archivbestände von Weltrang in Zukunft angemessen untergebracht und für Forschungszwecke erschlossen werden könnten, stand im Mittelpunkt der Gespräche der drei Abgeordneten mit Bürgermeister Konrad Rupprecht und dem Museumsteam in Feucht.

Mortler, Koschyk und Müller wollen die weitere Entwicklung von Zukunftsperspektiven für die beiden Einrichtungen künftig aktiv begleiten.




Bundesumweltministerium, Markt Feucht und Sparkassenstiftung fördern neue energiesparende Lichtanlage

Feucht, 2.7.2015 - Der zweite Abschnitt der neuen Lichtanlage in unserem Museum ist nun installiert.

Nachdem 2012/13 im Rahmen der ersten Umgestaltungsphase zunächst im Haupthaus mit Unterstützung der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern neueste LED-Beleuchtung eingebaut worden war, konnten wir nun in einem zweiten und dritten Schritt auch das Vorderhaus und den Glasbau mit dieser neuen, energiesparenden und emissionsarmen Technologie ausrüsten, die zudem eine erhebliche Verbesserung der Lichtsituation in der neugestalteten ständigen Ausstellung erbringt.

Wir danken dem Markt Feucht und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit für die großzügige Förderung der neuen Lichtanlage im Vorderhaus und der Kulturstiftung der Sparkasse Nürnberg für die Förderung der neuen Beleuchtung im Glasbau!

Nur durch diese Unterstützung war es möglich, gleichzeitig die inhaltliche Um- und Neugestaltung durchzuführen.




Neue Erkenntnisse über Weggefährten Oberths
15. Tag der Raumfahrtgeschichte des Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museums fand am Samstag im Feuchter Pfinzingschloß statt


Feucht, 22.6.2014 – Einmal mehr neue Erkenntnisse über die frühe Raumfahrtgeschichte und insbesondere über Weggefährten Hermann Oberths hat am Samstag der 15. Tag der Raumfahrtgeschichte des Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museums erbracht. Die raumfahrthistorische Tagung findet jedes Jahr am Wochenende vor oder nach dem Geburtstag Hermann Oberths am 25.Juni in Feucht statt. Seit 2012 stellt der Markt Feucht dafür die Halle des Pfinzingschlosses zur Verfügung.

Die Tagungsteilnehmer kamen – wie jedes Jahr – aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Feuchts Zweite Bürgermeisterin Katharina von Kleinsorgen als ‚Hausherrin’ und Bezirksrat Dr. Bernd Eckstein (beide CSU) überbrachten die Grüße des Marktes Feucht und des Bezirks Mittelfranken. Die Feuchter SPD war durch Marktgemeinderätin Petra Fischer vertreten, die seit einigen Jahren eine treue Besucherin der Veranstaltungen des Feuchter Museums ist.

Die Veranstaltungsreihe geht auf eine Initiative des heutigen Museumsleiters Karlheinz Rohrwild zurück.

Harald Tresp – dessen für dieses Jahr geplante Vorträge wegen Erkrankung leider ausfallen mussten, dafür aber im Tagungsband nachzulesen sind – dokumentiert die Entstehungsgeschichte der Tage der Raumfahrtgeschichte wie folgt: „Im Jahre 1983 kam der damals 18jährige Schüler Karlheinz Rohrwild nach Feucht und sollte bald ein fester Bestandteil der Zukunft des Oberth-Museums werden. Oberths Schwiegersohn, Josef Roth, nahm sich des jungen Mannes an und fortan half er im Museum mit.
Bereits im Herbst desselben Jahres wurde er mit zum Raumfahrtkongress der International Astronautical Federation (IAF) nach Budapest genommen und lernte so die Sektion „History of Astronautics“ der AIAA (American Institute for Aeronautics and Astronautics) und deren Mitglieder kennen. In den Folgejahren war er auch weiter Bestandteil der Feuchter Delegation und wurde so über die Jahre zu einem festen Bestandteil dieser Sektion.
1992 fand der IAF Kongress in Washington D.C. statt und Rohrwild äußerte gegenüber dem Raumfahrtpublizisten und –historiker Fred I. Ordway III, dass er Recherchen zur UfA-Rakete (1929) von Hermann Oberth anstelle. Ordway schlug ihm vor, er solle doch hierüber einen Vortrag halten, was aus jugendlichem Leichtsinn von Karlheinz Rohrwild mit einem „Warum denn nicht“ beantwortet wurde.
Hintergrund dieser Recherchen war der bevorstehende 100. Geburtstag von Hermann Oberth und Rohrwild, der zu diesem Zeitpunkt für die Beschaffung der Exponate im Museum verantwortlich war, erhoffte sich, von der Deutschen Raumfahrtindustrie diese Rakete nachgebaut zu bekommen. Da Baupläne nicht im Archiv vorhanden waren, begann er mit seinen Recherchen. Bereits im Januar 1993 trug er seine Ergebnisse bei den Koroljew - Lesungen in Moskau vor und im Herbst des Jahres beim IAF-Kongress in Graz. Damit war das Feuer der Leidenschaft für Raumfahrt-Geschichte bei dem jungen Mann entbrannt. Die MAN Neue Technologie baute aus Anlass des 100. Geburtstages von Hermann Oberth dann nicht die UfA-Rakete, genaue Pläne waren damals nicht aufzutreiben, aber die Oberth-Rakete von 1935 nach, von der gute Pläne existierten. Hierüber sollte Rohrwild dann beim IAF-Kongress in Peking 1996 berichten. Die Besonderheit hierbei bestand nicht etwa in seinem Vortrag, sondern vielmehr, dass just zu Beginn des Vortrages der berühmte Publizist Arthur C. Clarke in seinem Rollstuhl in den Raum kam und erst nach Beendigung des Vortrages den Raum wieder verließ.
Seit Rohrwilds Vorträgen in Moskau und Graz, war klar, dass es so etwas auch in Deutschland geben solle.“ Die Feuchter Tage der Raumfahrtgeschichte, die sich – wie das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum auch – nicht nur aber vor allem mit der Vor- und Frühgeschichte der Raumfahrt befassen, waren geboren.

Neue Erkenntnisse

Immer wieder haben die Referenten der Tagung neue Erkenntnisse über diesen Abschnitt der Raumfahrtgeschichte zu Tage gefördert und damit auch unsere Kenntnis über die Hintergründe für die Bedeutung Hermann Oberths erweitert.

Auch im Rahmen des 15. Tages der Raumfahrtgeschichte am vergangenen Samstag konnten wieder neue Erkenntnisse über zwei Weggefährten Hermann Oberths präsentiert werden.

Im Vortrag von Dr. Wolfgang Both (Berlin) ging es um den ersten Patentanwalt Oberths in seiner Berliner Zeit, Otto Steinitz. Dessen Bedeutung geht jedoch über die Tätigkeit als Patentanwalt hinaus. Steinitz’ Verein für Fortschrittliche Verkehrstechnik (EVFV) diente nach dem Zerfall des Vereins für Raumschiffahrt (VfR) Ende 1933 als Auffangbecken für einen Teil der Mitglieder.
Als Ingenieur und Verkehrstechniker interessierte Steinitz das neue Transportmedium. Er besuchte den Raketenflugplatz in Berlin-Reinickendorf, berichtete darüber in Zeitungen und Fachzeitschriften und hielt selber Vorträge zu diesem Thema. So referierte er am 23. April 1931 im Großberliner Vortragsbund „Von der Rakete zum Weltraumschiff“. Willy Ley wiederum trat beim Treffen des EVFV auf und berichtete über die Raketenexperimente. Ley und Oberth standen in engem persönlichen Kontakt mit Steinitz und besuchten ihn nach Erinnerung von Steinitz Tochter Susi, die der Referent für seinen Vortrag befragen konnte, öfter in seinem Büro in der Berliner Bergmannstraße. Steinitz hatte als Jude ab 1933/34 mit erheblichen Einschränkungen und Schwierigkeiten zu kämpfen, die auch seine beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeit massiv behinderte. Zwar darf er durch eine Sonderregelung noch bis 1937 publizieren, wird darin aber immer stärker behindert. Anfang 1939 gelingt ihm die Auswanderung in die USA.

Der Vortrag von Michael Zuber (Feucht) befasste sich mit bislang unbekannten Veröffentlichungen des Journalisten und Publizisten Willy Ley im ‚Sozialdemokratischen Pressedienst’, einer Nachrichtenagentur für die Parteizeitungen der SPD in der Weimarer Republik. Ley der vor allem in der Zeit nach seiner Emigration in die USA (1935) einer der bedeutendsten Popularisatoren der Raumfahrt wurde, hatte in der Zeit zwischen 1930 und 1932 im ‚Sozialdemokratischen Pressedienst’ eine Reihe von Artikeln veröffentlicht, anhand derer gezeigt werden kann, dass die Raketenenthusiasten der Weimarer Zeit durchaus nicht uneingeschränkt nach dem gängigen Schema einer „reaktionären Modernität“ beurteilt werden können. Die weitergehende Analyse der zugänglichen Ausgaben des ‚Sozialdemokratischen Pressedienstes’ ergab, dass Raketentechnik und Raumfahrt durchaus auch dort ein interessantes und für die Berichterstattung relevantes Thema waren.

Im Vortrag von Bernd Diekmann (Detmold) wurde erstmals enthüllt, dass der österreichische Segelflugpionier Robert Kronfeld in Thüringen auch sehr früh intensiv mit Starthilferaketen für Segelflugzeuge experimentierte. Eine Buchveröffentlichung zu diesem spannenden Seitenast der frühen Raketenentwicklung ist derzeit in Vorbereitung.

Ausflug in die bundesdeutsche Raumfahrtgeschichte

Einen Ausflug in die Raumfahrtgeschichte der jungen Bundesrepublik Deutschland stellte der Vortrag von Adolf Frank (Lampoldshausen) dar. Der langjährige Mitarbeiter am Standort Lampoldshausen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellte aus eigenem Erleben die Wege und Umwege der europäischen Trägerraketenentwicklung dar. Nur wenigen Zuhörern war bekannt, dass die Bundesrepublik vor gemeinsamen europäischen Raketenprogrammen Pläne für eine eigene Satellitenträgerrakete hatte, deren Triebwerke maßgeblich in Lampoldshausen entwickelt und getestet wurden. Besonders spannend und berührend waren Franks persönliche Erinnerungen an fehlgeschlagene und auch für ihn persönlich nicht ungefährliche Versuche und seine Schilderungen über den Aufbau des Standorts in Lampoldshausen bei Heilbronn. Die im vergangenen Jahr eröffnete Ausstellung über die Treibwerksentwicklung geht maßgeblich auf Franks jahrelange Sammlungstätigkeit zurück. Markus Rehberger, der seit vielen Jahren auch ehrenamtlich für das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum tätig ist, wird die Frank’sche Sammlung künftig als Mitarbeiter des DLR in Lampoldshausen weiter betreuen.

Beide überraschten die Feuchter Museumsmannschaft mit einem Einspritzkopf aus einem der in seinem Vortrag beschriebenen Raketentests in Lampoldshausen als Geschenk für die hiesige Ausstellung: Im Bild v.l. Feuchts Zweite Bürgermeisterin Katharina von Kleinsorgen (CSU), Museumsdirektor Karlheinz Rohrwild, Adolf Frank, Marktgemeinderätin Petra Fischer (SPD) und Markus Rehberger.

Ein weiterer Tagungsteilnehmer, Tassilo Römisch (Space Service International Mittweida) bereicherte die Ausstellung um zwei weitere frühe Raketenmodelle, anhand derer die internationale Entwicklung der frühen Jahre im Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum nachvollziehbar wird: Links ein Modell einer Winklerrakete HW 1a, rechts im selben Maßstab die sowjetische ‚Avianito’, eine Entwicklung aus dem Jahr 1935.

Die Vorträge des 15. Tages der Raumfahrtgeschichte sind im Tagungsband nachzulesen, der über das Museumsbüro, Telefon 09128/3502 oder per eMail an info@oberth-museum.org für einen Kostenbeitrag von 50 Euro erworben werden kann.





Raumschiff „Friede“ zurück in Feucht
Ein Modell des Filmraumschiffs "Friede", das in den letzten Monaten für eine Science-Fiction-Ausstellung an das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn ausgeliehen war, ist wieder zurück in Feucht.


Feucht, 21.7.2013 – Mit einigen Leihgaben unterstützte das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum eine Science-Fiction-Sonderausstellung des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Im Mittelpunkt: Ein Modell des Raumschiffs „Friede“ im Maßstab 1:50 aus dem Fritz-Lang-Film „Frau im Mond“, an dem Hermann Oberth 1929 als wissenschaftlicher Berater mitgearbeitet hat.



Die Ausstellung, die in kleinerem Umfang derzeit in Leipzig zu sehen ist, zeichnet die Entwicklung der modernen Science Fiction – vor allem in Deutschland – in Literatur und Film im 20. Jahrhundert nach und macht die Einflüsse von Science Fiction auf viele Bereiche des Alltagslebens wie Design, Mode oder Spielzeug deutlich.

Fritz Langs Film „Frau im Mond“ gilt auch als Höhepunkt einer breiten öffentlichen Begeisterungswelle für Raketentechnik und Raumfahrt in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre, die vor allem durch Hermann Oberths grundlegendes Werk „Die Rakete zu den Planetenräumen“ (1923) ausgelöst worden war.

Im Mittelpunkt des Films stehen einige Raumfahrer (unter ihnen auch eine Raumfahrerin!), die mit ihrem Raumschiff „Friede“ zum Mond fliegen – eine fiktionale Vorwegnahme der ersten realen amerikanischen Mondlandung 1969.

Insbesondere die Darstellung der Mondrakete und des Raumschiffs basieren wesentlich auf Hermann Oberths Entwurf „Modell E“. Im Rahmen seiner Mitarbeit an „Frau im Mond“ hatte Oberth Gelegenheit, seine Theorien zur Raketentechnik auch praktisch umzusetzen und ihre Gültigkeit so nachzuweisen. Die Konstruktion der „Kegeldüse“, des ersten amtlich zertifizierten Raketenmotors, geht auf seine Arbeiten bei der UfA zurück.




Zwischen 10.7.2013 und 16.7.2013 erschienen in der Feuchter Tageszeitung "Der Bote" drei Leserbriefe, die sich mit Fragen der persönlichen Vergangenheit Hermann Oberths auseinandersetzten. Die Redaktion des Boten musste uns leider mitteilen, dass unsere Erwiderung auf die letzten beiden Leserbriefe für ihre Leserbriefspalten zu lang und ausführlich sei.

Deshalb dokumentieren wir unsere ausführliche Erwiderung hier:


* * *


Leserbrief

zum Leserbrief von Herrn Klaus Walter in „Der Bote“ vom 15.7.2013 und zum Leserbrief von Frau Siglinde Walter in „Der Bote“ vom 16.7.2013

Die Leserbriefe von Herrn und Frau Walter gehen erkennbar von der Vorstellung aus, das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum sei ausschließlich ein biographisches Museum zur Verherrlichung der Person Hermann Oberth. Diese Vorstellung ist vollkommen falsch. Es kann sie niemand haben, der das Museum und unsere Sonderausstellungen in den vergangenen Jahren besucht hat.

Das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum sieht seine Aufgabe nicht in einer unkritischen Würdigung einzelner Personen, sondern – ausgehend von den unbestreitbaren wissenschaftlichen Pionierleistungen seines Namensgebers in den 1920er Jahren – in der Bearbeitung und öffentlichen Darstellung der Raumfahrtgeschichte, ihrer Entwicklungslinien und Bedingungsfaktoren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der frühen Raumfahrtgeschichte, die Oberth mit seinen theoretischen und praktischen Arbeiten zwischen 1923 und 1930 entscheidend geprägt hat. Andere Schwerpunkte sind die technische Raketenentwicklung, die Rolle der Öffentlichkeit für die Entwicklung der Raumfahrt und die gegenseitige Bedingtheit politischer, militärischer und ziviler Zielstellungen in der Entwicklungsgeschichte der Raumfahrt.

Der biographische Teil zur Person Hermann Oberth kann heute in den sehr beengten Verhältnissen des bestehenden Museums nur einen kleinen Teil der Ausstellung einnehmen. Bestandteil des Raumplans für unsere mittelfristig angestrebte Erweiterung ins Pfinzingschloss im Rahmen des Gesamtkonzepts „Kulturareal Feucht“ ist aber unter anderem die Einrichtung eines eigenen Raumes, der sich unter der Überschrift „Irrungen und Wirrungen“ auch mit Zeit und Umständen von Oberths NPD-Mitgliedschaft auseinandersetzt. Selbstverständlich haben wir aber auch einen Raum vorgesehen, der die weltweite Anerkennung Oberths und seiner wissenschaftlichen Leistungen darstellt.

Als Museum ist es eine unserer Aufgaben, die ganze historische Persönlichkeit in ihrer Vielschichtigkeit und im Zusammenhang ihres Wirkens und ihrer Zeit auf der Basis der Quellen differenziert darzustellen. Dazu gehören Leistungen und Verdienste ebenso wie kritikwürdige Aspekte und persönliches Scheitern.

Uns in Leserbriefen andere Absichten zu unterstellen, ohne je mit uns gesprochen zu haben, ist grob unseriös.

Leider bleiben Herr und Frau Walter den Leserinnen und Lesern auch den Nachweis ihrer undifferenzierten Behauptungen mit nachvollziehbaren Quellenangaben komplett schuldig. Deshalb sehen wir uns gezwungen, mit diesem weiteren Leserbrief für die nötige Klarheit zu sorgen.

Frau Siglinde Walter hat in Ihrem Leserbrief vom 10.7. Hermann Oberth zwar nicht ausdrücklich als Nazi bezeichnet, aber sehr wohl versucht ihn in den Zusammenhang der NS-Ideologie zu stellen und dies darüberhinaus nicht ungeschickt mit Oberths späterer NPD-Episode verquickt. Es war und bleibt deshalb notwendig klarzustellen, dass Oberth nach unserer Quellenkenntnis eben keine NS-Vergangenheit hat, und ihm deshalb auch keine weltanschauliche Kontinuität unterstellt werden kann.

Wenn Frau Walter in ihrem Leserbrief vom 16.7. unterstellt, wir hätten eine Mitarbeit Oberths in Peenemünde „negiert“, hat sie nicht genau genug gelesen. Wir haben darauf hingewiesen, dass Oberth mit der operativen Leitung der Heeresversuchsanstalt nichts zu tun hatte und darauf auch keinen Einfluss nehmen konnte. Oberth wurde vor allem für eine umfassende Verwertbarkeitsprüfung deutscher und ausländischer Patente für die Zwecke der Raketenentwicklung sowie erstmals umfassende Berechnungen zur Stufentrennung von Raketen eingesetzt. Gerade die Entwicklung der V2 war Gegenstand von Kontroversen zwischen Oberth und von Braun in Peenemünde. Entsprechende Quellen liegen in unserm Archiv. Nicht nachweisbar hingegen ist im Zusammenhang mit Peenemünde auch die immer wieder kolportierte Geschichte, Oberth sei unter dem Tarnnamen Fritz Hann dort gewesen.

Die kurze NPD-Mitgliedschaft Oberths rund um die Jahre 1965 bis 1967 kann nur seriös bewertet werden, wenn man sie in den Zusammenhang der Zeit und Oberths Lebensgeschichte stellt und sich vor allzu schnellen Analogieschlüssen hütet. Niemand bestreitet, dass die NPD schon in den 1960er Jahren im rechten Teil des politischen Spektrums zu verorten war. Gerade in den beiden Anfangsjahren war die NPD aber vor allem eine Protestpartei und bekanntermaßen zum Beispiel für nationalliberale FDP-Anhänger attraktiv. Nur so sind ihre Erfolge bei den Landtagswahlen in der Mitte der 1960er Jahre erklärbar. Es ist außerdem deutlich, dass sich die NPD mit dem Beschluss ihres Wahlprogramms 1967 erkennbar radikalisierte. (Für jedermann nachzulesen zum Beispiel beim Haus der Deutschen Geschichte oder auch in der Wikipedia.)

Ebenso wie sein Eintritt ist auch Oberths Austritt aus der NPD eine Tatsache!
Den Eintritt zu skandalisieren und den Austritt kleinzureden oder ganz zu verschweigen ist irreführend.

Für eine systematische oder dauerhafte Unterstützung der „Stillen Hilfe“ durch Oberth gibt es außer dem lange bekannten, und immer wieder zitierten Nachruf dieser Organisation keine Evidenz. Diese Frage muss aber noch eingehender untersucht werden.

Dieser gesamte Themenkomplex zeigt aber, dass auch ein anerkannter und bedeutender Wissenschaftler nicht vor persönlichen Irrwegen gefeit ist, auch nicht außerhalb der Kritik steht und gelegentlich vor der Notwendigkeit steht, Fehler einzusehen und zu korrigieren.

Als Museum sehen wir eine unserer Aufgaben darin, unseren Besuchern auch dies zu vermitteln.

Herr Walter bewertet schließlich in seinem Leserbrief vom 15.7. unseren Hinweis darauf, dass Oberth 1963 SPD gewählt habe als ‚verstiegene Behauptung’. Wir können diese Aussage mit einem Originalbrief Oberths belegen. Herr Walter bleibt jedoch einen Beleg für seinen deutlich geäußerten Zweifel schuldig und greift stattdessen zu polemischen Kunstgriffen - wohl um den Lesern vorzugaukeln, unser Hinweis sei nicht plausibel.

Seine rhetorische Frage, was Oberth eigentlich für Feucht getan habe, dass er die Ehrenbürgerschaft verdient, hat der Marktgemeinderat 1959 klar und eindeutig beantwortet. Diese Antwort ist auf der Ehrenbürgerurkunde nachzulesen, die auch Herr Walter jederzeit im Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum betrachten kann. Die Begründung lautet: „Herrn Professor Hermann Oberth, dem Pionier der Weltraumfahrt, wird in Würdigung seiner großen wissenschaftlichen Leistung vom Markt Feucht auf Grund des einmütigen Gemeinderatsbeschlusses vom 25. März 1959 hiermit die Ehrenbürgerschaft verliehen. Der Markt Feucht rechnet es sich zur hohen Ehre, dem verdienstvollen Forscher eine zweite Heimat geworden zu sein, in der ihm noch viele Jahre ein erfolgreiches Wirken für den friedlichen Fortschritt der Menschheit vergönnt sein möge. Feucht, den 19. Juni 1959. Markt Feucht, Koll, 1. Bürgermeister.“

Wer heute im Auto die Segnungen seines Navigationssystems oder durch die Satellitenschüssel auf dem Dach die Vielfalt internationaler TV-Programme genießt, wer beruflich oder privat immer präzisere, auf den Daten meteorologischer Satelliten beruhende Wettervorhersagen oder das weltumspannende, satellitenunterstütze Kommunikationsnetz nutzt, wer sich um das Ozonloch oder andere ökologische Phänomene im globalen Maßstab sorgt, die nur durch den Blick von außen auf unsere Erde nachgewiesen werden können, der profitiert von der Raumfahrt – und damit von den in der Ehrenbürgerurkunde zu Recht gewürdigten Arbeiten und wissenschaftlichen Leistungen Hermann Oberths.

Fehler und Irrwege müssen benannt werden und werden auch benannt, sie dürfen aber nicht dazu führen, dass unbestreitbare, wegweisende Leistungen nicht mehr anerkannt und dargestellt werden.

Wie schon Frau Siglinde Walter laden wir deshalb auch Herrn Klaus Walter ausdrücklich ein, sich in einem baldigen persönlichen Gespräch bei einem Besuch im Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum davon zu überzeugen, dass ihre teilweise sehr polemischen und oberflächlichen Einlassungen unserer Arbeit in keiner Weise gerecht werden.


Karlheinz Rohrwild
Museumsdirektor
Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum e.V.
Pfinzingstraße 12-14
90537 Feucht

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Eine Dokumentation aller Leserbriefe und unserer Antworten finden Sie hier.




Bezirkstagspräsident Richard Bartsch besucht Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum

Im Rahmen eines Gemeindebesuchs in Feucht stattete Bezirkstagspräsident Richard Bartsch in Begleitung von Bezirksrätin Barbara Titzsch auch dem Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum einen Besuch ab.

Gemeinsam mit Feuchts Bürgermeister Konrad Rupprecht ließen sich die Politiker von Museumsdirektor Karlheinz Rohrwild über die jüngst abgeschlossene Umgestaltung des großen Ausstellungsraumes und die Zukunftspläne des Museums informieren.


Im Bild v.r.n.l: Bezirkstagspräsident Richard Bartsch, Bezirksrätin Barbara Titzsch, Feuchts Bürgermeister Konrad Rupprecht und Museumsdirektor Karlheinz Rohrwild


Nach dem gut einstündigen Rundgang zeigten sich die Gäste überrascht und beeindruckt von der Vielfalt der Exponate und vor allem von Oberths herausragendem Anteil an der frühen Raumfahrtgeschichte in der Zeit vor 1930, der für die späteren Entwicklungen bis hin zu den Mondlandungen der NASA und darüberhinaus grundlegend ist.

Das besondere Interesse des Bezirkstagspräsidenten weckten die Original-Raumanzüge aus verschiedenen Phasen der Raumfahrtgeschichte, die im neugestalteten Ausstellungsraum besser zur Geltung kommen als bisher, sowie die äußerst aufwändige Rekonstruktion eines A4/V2-Triebwerks, anhand dessen die ambivalente Bedeutung dieser ersten Großrakete, als außerordentlicher technologischer Durchbruch einerseits und Kriegswaffenträger andererseits, dargestellt wird.




SPD Feucht besuchte das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum

Mitglieder der Feuchter SPD-Fraktion und des SPD-Ortsvereinsvorstands besuchten das Hermann-Oberth-Raumfahrtmuseum, um sich einen eigenen Eindruck von der kürzlich abgeschlossenen Umgestaltung zu verschaffen.

Nicht alle interessierten Kommunalpolitiker hatten aus Zeitgründen die Möglichkeit gehabt, zur Wiedereröffnung Anfang März zu kommen. Bei ihrem Besuch informierte sie die Museumsleitung auch über die Grundzüge eines umfassenden neuen Konzepts für die kulturellen Einrichtungen in der Pfinzingstraße unter dem Titel „Kulturareal Feucht“, das gemeinsam mit dem Zeidelmuseum erarbeitet wurde.

Zunächst widmete man sich jedoch der neuen Ausstellung. Ein neugestalteter Raum im Erdgeschoss des Museums mit sehr informativen Schautafeln und vielen Ausstellungsobjekten erwarten jetzt die Besucher im Oberth-Museum. Sie werden mit modernster energiesparender LED-Lichttechnik in Szene gesetzt, die mit Unterstützung der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern angeschafft werden konnte. Museumsdirektor Karlheinz Rohrwild und Michael Zuber führten die Besucher durch das Museum und erläuterten die Schauobjekte. Sie betonten, dass das Museum eine ganzheitliche Sicht auf Hermann Oberth und den Beginn der Raumfahrt anstrebe. Auch die kritischen und irritierenden Seiten der Raumfahrtgeschichte und der handelnden Personen sollten nicht ausgespart werden. Der neugestaltete Raum soll auch als Nachweis dienen, dass das Museum neuen Ansprüchen gerecht werden könne, betonten beide Museumsmacher.


Im Bild v.r.n.l.: Marktgemeinderätin Tanja Grasser-Bertl, Oberth-Büste, Marktgemeinderat Michael Schwarz, Marktgemeinderat Lothar Trapp, Marktgemeinderat Ernst Klier, stv. Ortsvorsitzender Gerald Schickendanz, Peter Liebig, Ortsvorsitzende, Marktgemeinde- und Kreisrätin Inge Jabs und Museumsdirektor Karlheinz Rohrwild


Die SPD-Mitglieder zeigten sich von der Umgestaltung beeindruckt und sehen in dem Museum einen Aktivposten für Feucht, auf den in wirkungsvollerer Weise durch den Markt Feucht aufmerksam gemacht werden muss.

Im Anschluss an die Besichtigung nutzten die Museumsvertreter die Gelegenheit und informierten die Besucher vorab über die Grundzüge der Ideen und Konzepte der beiden Museumsvereine für ein neues Feuchter Kulturareal rund um das Pfinzingschloss. Dieses Konzept wurde bereits im Rathaus vorgestellt und soll in einem nächsten Schritt Mitte April den Vorsitzenden bzw. Sprechern der im Marktgemeinderat vertretenen Parteien und Gruppierungen präsentiert werden.





Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum: Hauptraum neu gestaltet
Wiedereröffnung durch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann


Feucht, 4.3.2013 – Gemeinsam mit dem ehemaligen Astronauten Prof. Ulrich Walter eröffnete Bayerns Innenminsiter Joachim Herrmann am 3. März den neu gestalteten großen Ausstellungsraum des Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museums. Beim symbolischen Durschschneiden des Bandes zum modernisierten Hauptraum des Museums assistierten den beiden Landrat Armin Kroder und Feuchts Zweite Bürgermeisterin Katharina von Kleinsorgen.



Prof. Walter, der seit vielen Jahren auch 1. Vorsitzender des Museumsvereins ist, betonte in seiner Einführungsrede die Bedeutung der Raumfahrt für unser modernes Leben. Die Raumfahrttechnik sei die „Speerspitze“ der Technik und Hermann Oberth mit seiner 1923 vorgelegten Arbeit „Die Rakete zu den Planetenräumen“ einer ihrer bedeutendsten Wegbereiter gewesen.
Dass Raumfahrt Zukunft bedeutet, betonte nach Walter auch Innenminister Herrmann. Zwar sei er als Innenminister weder Raumfahrt- noch Museumsminister, aber für Franken fühle er sich zuständig. In seiner Gastrede schlug er dann einen Bogen von der vitalen nichtstaatlichen Museumslandschaft Bayerns, für die Feucht mit dem Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum und dem benachbarten Zeidelmuseum ein gutes Beispiel abgebe, auf das man vor Ort auch mit Recht stolz sein könne, bis hin zur Bedeutung der Technik ganz allgemein.

Oberths Beispiel diente dem Politiker aus Erlangen dabei als Folie für seine Forderung, technischen und wissenschaftlichen Entwicklungen bei allem gerechtfertigten Problembewusstsein wieder aufgschlossener gegenüber zu stehen. Auch Oberth, so Herrmann, sei in den 1920er Jahren vor allem in der akademischen Welt ersteinmal als „Spinner“ abgetan worden, habe sich aber am Ende mit seinen Ideen und Theorien durchgesetzt. Technische Entwicklungen hätten den Menschen über die Jahrhunderte ein immer besseres Leben ermöglicht, ein Umstand, den man nicht vergessen dürfe. So würden wir alle heute vielfältig von Nutzanwendungen der Raumfahrt profitieren, die als Ideen und Konzepte schon in Oberths frühen Arbeiten vorkommen.

Herrmann sparte allerdings auch die „Irrungen und Wirrungen“ in Oberths Leben nicht aus, der in den 1960er Jahren kurzzeitig Mitglied der NPD geworden war, diese Mitgliedschaft aber selbst beendet und sich von der Partei distanziert hat, als er merkte, dass er nur als prominente Galionsfigur missbraucht werden sollte.

Der große Forscher und Feuchter Ehrenbürger Oberth sei über die Jahrzehnte für seine wissenschaftlichen Leistungen mit vielen internationalen Ehrungen und Auszeichnungen geehrt worden, unter anderem auch mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Bayerischen Verdienstorden.

Im modernisierten Raum, den Museumsdirektor Karlheinz Rohrwild den Gästen anschließend eingehend vorstellte, zeigt das Museum die Entwicklungslinien der Raumfahrtgeschichte von den fiktionalen Anfängen, die zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung und Theoriebildung führten, über die ersten zaghaften Realisierungsschritte, die internationale Militarisierung, Versuche der Zivilisierung durch Wissenschaft und Wirtschaft bis hin zum gegenwärtig entstehenden neuen Konkurrenzkampf im All und der Zukunft der Raumfahrt auf dem Weg zu Asteroiden und zum Mars.

Nach der Grundrenovierung des Hauses durch den Markt Feucht, der dem Museumsverein das Gebäude zur Verfügung stellt, wurden im Rahmen der Umgestaltung nicht nur bislang ungezeigte Originalexponate in die Ausstellung aufgenommen, sondern mit Unterstützung der Raiffeisenbank Altdorf-Feucht eG auch neue audiovisuelle und multimediale Elemente integriert sowie durch großzügige Förderung durch die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern die Lichtanlage in diesem Raum auf energiesparende und museumsgerechte LED-Beleuchtung umgestellt.

Für die nächste Zukunft hat sich das ehrenamtliche Museumsteam um Karlheinz Rohrwild weitere Umgestaltungsmaßnahmen und die Umstellung der Lichtanlage im Rest des Hauses auf die LED-Beleuchtungstechnik vorgenommen. Auch eine Sonderausstellung ist für den Herbst dieses Jahres wieder geplant. Außerdem arbeitet man gemeinsam mit den Kollegen des Zeidelmuseums bereits seit einiger Zeit an Konzepten, mit deren Umsetzung die großen Platznöte beider Museen eines Tages behoben werden könnten. Dazu ist man auch mit dem Markt Feucht in engem Kontakt.

Herrmann lobte dieses Engagement in Feucht, denn anders als in rein der Technik gewidmeten Häusern wie dem Deutschen Museum, sei hier vor Ort ein unmittelbarer, nicht selten persönlicher Bezug gegeben, weil der aus Siebenbürgen im heutigen Rumaänien stammende Oberth die zweite Hälfte seines Lebens hier verbracht hat. Da das Themengebiet des Museums weit über die Region hinausweist, könne auch Feucht vom Oberth-Museum profitieren. Der Freistaat, so Herrmann, werde diese Arbeit auch weiterhin im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen.





Feuchter Raumschiff „Friede“ landet am Rhein
Exponate aus dem Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum derzeit im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zu sehen


Feucht, 10.12.2012 – Mit einigen Leihgaben unterstützt das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum derzeit die aktuelle Science-Fiction-Sonderausstellung des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Im Mittelpunkt: Ein Modell des Raumschiffs „Friede“ im Maßstab 1:50 aus dem Fritz-Lang-Film „Frau im Mond“, an dem Hermann Oberth 1929 als wissenschaftlicher Berater mitgearbeitet hat.

Die Ausstellung, die noch bis 10. März 2013 läuft, zeichnet die Entwicklung der modernen Science Fiction – vor allem in Deutschland – in Literatur und Film im 20. Jahrhundert nach und macht die Einflüsse von Science Fiction auf viele Bereiche des Alltagslebens wie Design, Mode oder Spielzeug deutlich.



Erste Glanzpunkte des deutschen Science-Fiction-Films waren in den 1920er Jahren Fritz Langs Filme „Metropolis“ und „Frau im Mond“. Letzterer gilt auch als Höhepunkt einer breiten öffentlichen Begeisterungswelle für Raketentechnik und Raumfahrt in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre, die vor allem durch Hermann Oberths grundlegendes Werk „Die Rakete zu den Planetenräumen“ (1923) ausgelöst worden war.

Im Mittelpunkt des Films stehen einige Raumfahrer (unter ihnen auch eine Raumfahrerin!), die mit ihrem Raumschiff „Friede“ zum Mond fliegen – eine fiktionale Vorwegnahme der ersten realen amerikanischen Mondlandung 1969.

Insbesondere die Darstellung der Mondrakete und des Raumschiffs basieren wesentlich auf Hermann Oberths Entwurf „Modell E“. Im Rahmen seiner Mitarbeit an „Frau im Mond“ hatte Oberth Gelegenheit, seine Theorien zur Raketentechnik auch praktisch umzusetzen und ihre Gültigkeit so nachzuweisen. Die Konstruktion der „Kegeldüse“, des ersten amtlich zertifizierten Raketenmotors, geht auf seine Arbeiten bei der UfA zurück.


Science Fiction in Deutschland
Ausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Willy-Brandt-Allee 14, 53113 Bonn: 23. November 2012 – 10. März 2013
Öffnungszeiten: Di–Fr, 9–19 Uhr; Sa, So und Feiertage 10-18 Uhr, Eintritt frei
www.hdg.de





Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum trauert um Mitbegründerin Dr. Erna Roth-Oberth

Feucht, 24.8.2012 – Die Mitbegründerin des Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museums Dr. Erna Roth-Oberth ist am Donnerstag, 23.8.2012 nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt im Alter von 90 Jahren verstorben.

Museumsdirektor Karlheinz Rohrwild würdigte die verstorbene Mitbegründerin des Feuchter Museums als maßgebliche Triebfeder, die nach dem Tod ihres Mannes Sepp Roth 1985 dafür gesorgt habe, dass der dauerhafte Fortbestand der Ausstellung gesichert wurde. Sepp Roth hatte nach der Museumsgründung 1971 mit großem persönlichen Einsatz das Museum mit auf- und die Grundlagen für den späteren Ausbau gelegt. Rohrwild: „Das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum verliert in Dr. Erna Roth-Oberth eine großzügige Förderin und – solange es ihr gesundheitlich möglich war – engagierte Streiterin für das Andenken ihres Vaters. Wir werden ihr persönliches Andenken in Ehren halten und betrachten ihr langes Wirken für das Museum als Vermächtnis und Verpflichtung zur Fortsetzung unserer Arbeit.“

Erna Roth-Oberth wurde am 27. Februar 1922 als zweites Kind des Raketen- und Raumfahrtpioniers Hermann Oberth und seiner Frau Mathilde im siebenbürgischen Schäßburg (heute Sighisoara, Rumänien) geboren, studierte ab 1946 in Erlangen und Bern Rechtswissenschaften und promovierte 1951 in Bern. Ab 1953 betrieb sie in Nürnberg eine Rechtsbeistandskanzlei und unterstützte ihren Vater bei dessen umfangreicher Vortragstätigkeit im In- und Ausland.

Seit 1971 standen Auf- und Ausbau des Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museums, zunächst bis 1989 im Pfinzingschloß und seitdem in den heutigen Räumlichkeiten, im Mittelpunkt ihres Lebens und Wirkens.

Dafür und für die langjährige Unterstützung ihres Vaters erhielt Dr. Erna Roth-Oberth im Lauf der Zeit eine Reihe von Auszeichnungen, so 1991 die Hermann-Oberth-Medaille des Internationalen Förderkreises für Raumfahrt (IFR) und die Ehrenmitgliedschaft der Alabama-Section des American Institute of Aeronautics and Astronautics. 1994wurde sie in den Senat der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt – Lilienthal-Oberth e. V. (DGLR) gewählt und 1996 erhielt sie den Goldenen Hermann-Oberth-Ring des IFR „in Anerkennung ihrer außergewöhnlichen Leistungen beim Aufbau und Erhalt des Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museums sowie den engagierten Bemühungen um die Verbreitung und Würdigung des Lebenswerkes ihres Vaters“.




In Memoriam
Dr. Erna Roth-Oberth

1922 - 2012


Verehrte Trauergemeinde,
liebe Freunde der Raumfahrt,

eine Vater-Tochter-Beziehung ist etwas ganz Besonderes.
Jeder Vater, der eine Tochter hat - so wie ich - weiß das.

Bei meinem ersten Besuch hier in Feucht am 19. September 1989, also kurz vor Oberths Tod, hatte ich die Freude, beide kennenzulernen, und ich spürte sogleich die Fürsorge von Frau Roth-Oberth für ihren Vater.

Für alle deutschen Raumfahrt-Freunde ist es ein Glücksfall, dass ein großartiger Mann wie Hermann Oberth hier in Feucht Raumfahrtgeschichte schrieb… und er zudem eine liebevolle Tochter hatte, die sein Werk durch Mitherausgabe seiner Bücher, aber besonders auch durch die Gründung des Hermann-Oberth-Museums im Jahre 1971, für die Nachwelt zugänglich machte.

Sie hat begonnen, was wir in ihrem Namen weiterführen werden: Das Gedenken an DEN Raumfahrtpionier der Menschheit - und, so lassen Sie mich hinzufügen, mit dieser Leistung steht Hermann Oberth mindestens ebenbürtig neben Neil Armstrong, der vor kurzem leider auch von uns gegangen ist.

Sie hat die Fackel entzündet, die wir als nächste Generation weitertragen dürfen.

Dafür gebührt ihr unser tiefer Dank - über ihren Tod hinaus.

Prof. Dr. Ulrich Walter
28. August 2012




Neue Einsichten und spektakuläre offene Fragen beim
13. Tag der Raumfahrtgeschichte im Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum

Feucht, 24.6.2012 – Interessante neue Einsichten zur Frühzeit der Raumfahrtentwicklung erbrachte der 13. Tag der Raumfahrtgeschichte des Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museums in Feucht. Darunter auch einige offene Fragen rund um die geheime Doktorarbeit des deutsch-amerikanischen Raketenpioniers Wernher von Braun, der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.


Dr. Olaf Przybilski von der Technischen Universität Dresden förderte im Rahmen seiner Analyse der lange Zeit nicht zugänglichen Doktorarbeit Wernher von Brauns eine Reihe offener Fragen zutage, die sehr wahrscheinlich für Aufsehen in Fachkreisen sorgen werden. Przybilski, selbst von Haus aus Ingenieur und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Luft- und Raumfahrttechnik der TU Dresden, unterzog die ihm vorliegenden Fassungen der Arbeit von Brauns einer fachlich-kritischen Bewertung, deren Ergebnis erheblichen Anlass zu weiteren Nachforschungen gibt. So bezweifelt der Dresdener Wissenschaftler die Urheberschaft von Brauns an einigen, ihm zugeschriebenen konstruktiven Details, die tatsächlich auch in industriellen Standardprodukten der Zeit zu finden sind. Ferner fehlen in der Arbeit wesentliche Ergebniskapitel, auf die im Text allerdings verwiesen wird. Przybilski fand sie weder in Nachdrucken, noch in der von ihm eingesehenen Originalfassung der Doktorarbeit. Es wird in weiteren Forschungen zu klären sein, ob diese fehlenden Kapitel aus Geheimhaltungsgründen aus der Arbeit entfernt wurden, oder ob es andere Gründe dafür gibt. Ebenso wird die Forschung von Przybilski in seinem Vortrag in Feucht angesprochenen Indizien nachgehen müssen, die auf Ähnlichkeiten mit der einschlägigen Diplomarbeit eines Studenten hinweisen.

Der Vortrag von Michael Tilgner über „Goebbels’ Raketenbann“ brachte neue Einsichten in eine für die Frühzeit der Raketenentwicklung in Deutschland wesentliche Frage. Tilgner konnte anhand einer akribischen Literaturrecherche zeigen, dass es in der Frühphase des Dritten Reichs tatsächlich eine von den Machthabern bewusst gewollte Tabuisierung des Themas Raketenentwicklung in der medialen Darstellung gab. Vom Propagandaministerium – in der Regel mündlich in Regierungspressekonferenzen – herausgegebene so genannte „Presseanweisungen“, belegen dies ebenso, wie Vorgaben für die Provinz- und Fachpresse, die zu den Regierungspressekonferenzen keine Vertreter entsenden konnten. In einer erhalten gebliebenen Anweisung vom Januar 1935 heißt es zum Beispiel: „... Es sollen möglichst wenig Berichte über Raketenflugzeuge, Raketenautos usw. erscheinen, auch nicht in Romanform. ...“ Für die Beurteilung der frühen Raumfahrtgeschichte ist dies deshalb von großer Bedeutung, weil die Raketentechnik, ausgehend von den grundlegenden Arbeiten Hermann Oberths, von der Mitte der 1920er Jahre bis etwa 1932 für erhebliches öffentliches Aufsehen in Deutschland und Europa sorgte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gewannen militärische Geheimhaltungswünsche die Oberhand. Tilgner konnte in seinem Vortrag allerdings auch zeigen, dass dieses Tabu nicht konsequent durchgesetzt werden konnte. So erschienen 1935 in Teilen der deutschen Presse umfangreiche Nachrufe auf den russischen Raumfahrtpionier Konstantin Ziolkowski. Gegen Kriegsende entdeckte das NAZI-Regime schließlich unter dem Begriff „Wunderwaffen“ die Raketentechnik selbst neu als Propagandainstrument, mit dem der Durchhaltewille der Bevölkerung angeheizt werden sollte.

Die Raketenbegeisterung der Weimarer Zeit beleuchteten von gänzlich unterschiedlichen Seiten schließlich Martin Frauenheim und Dr. Wolfgang Both in ihren Vorträgen.

Both zeigte anhand einiger Beispiele, wie intensiv sich Mitglieder des „Vereins für Raumschiffahrt“ in den 1920er Jahren als Science-Fiction-Autoren betätigten. Darunter ist vor allem Willy Ley zu nennen, der vor den Nationalsozialisten Mitte der 1930er Jahre über Großbritannien in die USA floh, und dort in den 1950er und 1960er Jahren gemeinsam mit Wernher von Braun einer der meistbeachteten Raumfahrtpropagandisten wurde.

Frauenheim zeigte in seinem äußerst detailreichen Vortrag europaweite Entwicklungen bemannter Raketenflugzeuge bis 1933 auf, an deren Vielzahl die große Begeisterung dieser Zeit für die Rakete als Antrieb jeglicher Art von Fortbewegungsmitteln abzulesen ist.

Zum Auftakt des 13. Tages der Raumfahrtgeschichte hatte Michael Tilgner versucht, mehr Licht in das Werk des weitgehend unbekannten französischen Arztes André Bing zu bringen, dem bereits 1911 in Belgien ein Patent für eine Stufenrakete erteilt wurde. Bing hatte aufgrund dieses Patents offenbar auch Anteil an der Verleihung des hoch dotierten, neugestifteten REP-Hirsch-Preises. Dieser Preis der 1927 gegründeten „Commision d’Astronautique“ der Société Astronomique de France wurde „an den Autor der besten Originalarbeit, die geeignet ist, zur Verwirklichung einer der zahlreichen wissenschaftllichen Anliegen beizutragen, die auf den Endzweck der Astronautik abzielen“ verliehen.
Erster Preisträger war 1929 der spätere Feuchter Ehrenbürger Hermann Oberth, der am Montag, 25. Juni 2012, 118 Jahre alt geworden wäre.

Der Vortrag von Harald Tresp musste wegen Verhinderung des Referenten leider entfallen.

Der Tagungsband zum 13. Tag der Raumfahrtgeschichte ist für einen Kostenbeitrag von 50 € über das Museumsbüro erhältlich.

Zum Tag der Raumfahrtgeschichte, den das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum jedes Jahr im terminlichen Umfeld um Oberths Geburtstag veranstaltet, war neben vielen Gästen aus allen Himmelsrichtungen dieses Jahr für den Markt Feucht auch Marktgemeinderat Heinz Satzinger ins Pfinzingschloss gekommen, den Museumsdirektor Karlheinz Rohrwild herzlich begrüßte.






Zitatesammlung zum 100. Geburtstag von Wernher von Braun

Aus Anlass des 100. Geburtstages von Wernher von Braun am 23.3.2012 haben wir - ohne Anspruch auf abschließende Vollständigkeit - hier einige Zitate von und über von Braun zusammengestellt, die schlaglichtartig deutlich machen, dass es anlässlich eines solchen Jahrestags und im Zusammenhang mit einer Persönlichkeit wie Wernher von Braun keine "einfachen Wahrheiten" gibt - schon gar nicht aus der Perspektive der das Gesamtbild überblickenden Rückschau. Mit einer Sonderausstellung in der zweiten Jahreshälfte 2012 wird das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum das besondere, mitnichten immer ungetrübte Verhältnis Wernher von Brauns zu seinem Mentor Hermann Oberth und beider herausragende Bedeutung für die Entwicklung der Raumfahrt eingehender beleuchten.


Hermann Oberth, 1948 über Wernher von Braun in einem Brief an Eugen Sänger: "... Als Mensch hat er zwar sicher sehr schätzenswerte Eigenschaften: Ungewöhnliche Tatkraft, eisernen Fleiß, bewundernswerten persönlichen Mut, angenehme Umgangsformen, er ist ein glänzender Diplomat und Organisator und zeigt mindestens nach außen keine Spur von jenem Hochmut und Dünkel, der bei einem jungen Mann in seiner Lage nur zu leicht möglich und verständlich gewesen wäre, dabei ist er keineswegs kleinlich oder rachsüchtig (...) Außerdem konnte ich mich wiederholt davon überzeugen, daß er gegebenenfalls auch das Herz sprechen lassen kann. Aber leider hat er einen wahnsinnigen Ehrgeiz, oder besser gesagt, der Ehrgeiz hat ihn und treibt ihn dazu, niemanden aufkommen zu lassen, von dem er im geringsten befürchtet, daß er ihn selbst einmal in den Schatten stellen könnte."

Hermann Oberth, 1952 an Wernher von Braun: "Ich glaube, eine Aussprache zwischen uns hätte vielleicht vieles geklärt (...) Denn ich will Ihnen offen gestehen, daß ich bisher glaubte, Sie hätten auch viel Schuld daran, daß so viele tüchtige Kräfte (wie Sänger, Pöhlmann, Janzon, Wiemer und schließlich auch ich selbst), die der Raketensache viel hätten nützen können, teils überhaupt nicht an die Arbeit herangelassen, teils auf ein totes Gleis geschoben wurden. (...) Ihr Verhalten in letzter Zeit und auch die Entwicklung der Dinge läßt es aber nun angebracht erscheinen, dies Urteil zu revidieren (...) Ich würde mich daher aufrichtig freuen, wenn mein Argwohn nicht zutreffen, und wenn Herr Gerhards (...) mit seiner Behauptung Recht behalten sollte, daß ich Ihnen leider Unrecht getan habe."

Wernher von Braun, 1974 an Hermann Oberth: "Du weißt, daß diese beiden Bücher (Die Rakete zu den Planetenräumen und Wege zur Raumschiffahrt; Anm. d. Red.) und der Umstand daß ich als junger Student im Jahre 1930 für Dich arbeiten durfte, auch mir selbst den Leitstern meines Lebens gegeben haben."

Persönliche Widmung von Hermann Oberth an Wernher von Braun in einem Exemplar von "Die Rakete zu den Planetenräumen": "Herrn Dr. W. v. Braun - dem genialen Organisator und Ingenieur, der den Gedanken der Weltraumfahrt zur Tat werden ließ, in Verehrung und Dankbarkeit! H. Oberth"

Aus der Ansprache von Jean Mialet, eines ehemaligen Häftlings des Konzentrationslagers Dora-Mittelbau, anlässlich des 50. Jahrestages der Einrichtung von Dora, 1993: "... Es bleibt festzuhalten, daß ohne die Verwirklichung dieses Programms zu ausschließlich militärischen Zwecken das menschliche Abenteuer der Raumfahrt nie so früh hätte anfangen können, vielleicht nie existiert hätte. Es mußten Milliarden von Reichsmark ausgegeben werden. In grausamer Weise straff wurde das Projekt umgesetzt, damit Ingenieure, die zweifelsohne genial waren wie etwa Wernher von Braun die V2 verwirklichen konnten. Diese grausame Waffe war aber auch direkter Vorfahr der Raketen, die den Sputnik auf seine Bahn schossen und später Männer auf den Mond brachten. ..."

Professor Charles Sadron, französischer Häftling im Konzentrationslager Dora-Mittelbau über Wernher von Braun, 1947: "Ich muß allerdings der Wahrheit die Ehre geben und sagen, daß ich einem Mann begegenet bin, der sich mir gegenüber fast großzügig verhielt. Die Rede ist von Professor von Braun, einem der Mitglieder des technischen Stabes, der die Lufttorpedos entwickelt hatte. Von Braun hat mich in der Werkstatt besucht. Er ist ein sehr germanisch aussehender junger Mann, der ausgezeichnet französisch spricht. Er drückt mir in höflichen und wohlgesetzten Worten sein Bedauern darüber aus, daß ein französischer Professor sich in einem solchen Elend befindet, und schlägt mir vor, in seinem Labor zu arbeiten. Ich lehne das Angebot schroff ab. Von Braun entschuldigt sich und entfernt sich lächelnd. Ich sollte später erfahren, daß er trotz meiner Ablehnung mehrmals versucht hat, mein Schicksal zu erleichtern - allerdings ohne Erfolg."

Aus einem Erlebnisbericht des Dora-Häftlings Adam Cabala: "... Mit den organisatorischen Angelegenheiten befaßt sich in Dora der Direktor Sawadski. Er trug die Verantwortung für den Bau der unterirdischen Gänge. Er nahm die Häftlingskolonnen aus Buchenwald in Empfang, schickte die Kadavertransporte nach Buchenwald ins Krematorium, ihm oblag alles, außer der Forschungsarbeit und der Produktion. Aber auch die deutschen Wissenschaftler mit Prof. Wernher von Braun an der Spitze sahen alles täglich mit an. Wenn sie die Gänge entlang gingen, sahen sie die Schufterei der Häftlinge, ihre mühselige Arbeit und ihre Qual. ... Auf einer kleinen Fläche neben der Ambulanzbude lagen tagtäglich die Häftlinge, die das Arbeitsjoch und der Terror der rachsüchtigen Aufseher zu Tode gequält hatten. Die menschlichen Leichname sahen von weitem wie eine große Masse aus. Aber Prof. Wernher von Braun ging daran vorbei, so nahe, daß er die Leichen fast berührte. Sollte dieser Anblick nicht den geringsten Eindruck auf ihn gemacht haben? ..."

Wernher von Braun über das Konzentrationslager Dora-Mittelbau, 1969: "Es war für mich natürlich jedesmal ein außerordentlich deprimierender Eindruck, wenn ich in das unterirdische Werk hineingehen und dort die Häftlinge bei der Arbeit sehen mußte. … Sehr viele dieser Häftlinge befanden sich in einem furchtbaren Ernährungszustand. Ich will und darf das in keiner Weise bestreiten. ... Später waren die Lager überfüllt, von Krankheiten verseucht - besonders in den letzten Kriegsmonaten. Diese Hungergestalten lasteten schwer auf der Seele jedes anständigen Mannes Ich kann es nicht leugnen. ... Am Ende des Krieges hat die SS zweifellos die Häftlinge ganz bewußt dem Hungertod preisgegeben. ..."

Michael J. Neufeld, Raumfahrthistoriker, National Air and Space Museum, Washington D.C.: "In einem halben Jahrtausend werden die Menschen vielleicht nur noch wenig über das 20. Jahrhundert wissen, mit Ausnahme der Atombombe, des industrialisierten Massenmords, der Entdeckung der globalen Erwärmung, der Entwicklung von Computernetzwerken, des Motorflugs und der ersten Schritte im Weltraum. Angenommen, wir haben die Erde bis dahin nicht ruiniert, könnte es, evolutionär gesehen, zu den bedeutendsten Dingen gehören, die Wiege des irdischen Lebens verlassen und im Weltraum Fuß gefasst zu haben. Insofern verdient es Wernher von Braun, als einer der zukunftsweisenden Ingenieure und Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts in Erinnerung zu bleiben. Sein Leben ist gleichzeitig ein Symbol für die Versuchungen von Ingenieuren und Wissenschaftlern in jenem Jahrhundert und darüber hinaus ... Wernher von Braun war wirklich der Faust des 20. Jahrhunderts."

US-Satiriker Tom Lehrer in beißendem Spott über Wernher von Braun: "Don’t say that he’s hypocritical, say rather that he’s apolitical. - Once the rockets are up, who cares where they come down? - That’s not my department, says Wernher von Braun."

Apollo-11-Astronaut Michael Collins: "Wernher von Braun was a study in contrasts. He was, at the same time, a visionary and a pragmatist, a technologist and a humanist."






100 Jahre Wernher von Braun



Der deutsch-amerikanische Weltraumpionier Wernher von Braun wäre am 23. März 2012 100 Jahre alt geworden. Von Braun selbst bezeichnete Hermann Oberth immer wieder als seinen Lehrer und Mentor, dem er den "Leitstern seines Lebens" verdanke. Aus diesem Anlass wird das Modell seiner Saturn-V-Mondrakete an der Autobahnraststätte Feucht-Ost im Jahr 2012 einer Frischzellenkur unterzogen.

Das gut zehn Meter hohe Denkmal weist seit vielen Jahren Rast und Abwechslung suchenden Reisenden den Weg von der Autobahnraststätte nach Feucht und ins Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum. In den letzten Jahren hat die Optik des weithin sichtbaren Aluminiumkolosses durch Schmierereien und eine Vielzahl von Aufklebern allerdings sehr gelitten. Die Reinigung und Neulackierung des Raketenmodells ist daher dringend geboten. Auch die Erläuterungstafel an der Rakete soll gestalterisch und inhaltlich überarbeitet werden. Absprachen dazu laufen derzeit zwischen Gemeinde und Museum.

Der Markt Feucht hat auf Antrag des Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museums einen großen Teil der für die Sanierungsarbeiten erforderlichen Mittel im aktuellen Haushalt bereitgestellt. Etwa ein Viertel der Kosten von insgesamt rund 3500 Euro übernimmt der Trägerverein des Museums.

Für die zweite Jahreshälfte plant der Museumsverein ebenfalls aus Anlass des Geburtstages Wernher von Brauns eine Sonderausstellung über das Verhältnis von Brauns zu Hermann Oberth und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Raumfahrt.








"Nürnberger Nachrichten" und "Nürnberger Zeitung" berichten in ihren Ausgaben vom 28.10.2011 über unsere Sonderausstellung "Oberths Energie - Vom Weltraumspiegel zum Drachenkraftwerk":








"Der Bote" berichtet in seiner Ausgabe vom 26.10.2011 über unsere Sonderausstellung "Oberths Energie - Vom Weltraumspiegel zum Drachenkraftwerk":







Unsere Aktionen zum Feuchter Familienfest am 17.9.2011 fanden großen Anklang.

Viele Besucher nutzten die Gelegenheit sich als Mondastronaut fotografieren zu lassen. Besonders die Kleinen hatten großen Spaß an den Wasser-Luft-Raketen von Klaus Strienz und Museumsleiter Karlheinz Rohrwild sorgte im Raumanzug für neugierige Blicke im gesamten Feuchter Zentrum. Während des ganzen Tages herrschte auch im Museum selbst großer Andrang.

Besonderes Highlight waren aber die Starts der vorher unter Anleitung von Jörg Kadau selbstgebauten Raketen am Gauchsbach, die sich auch Feuchts Erster Bürgermeister Konrad Rupprecht nicht entgehen ließ. Er assistierte sogar beim Countdown zum Start einer der Raketen.

Die Bilder zum Feuchter Familienfest gibt es unter http://www.oberth-museum.org/galerie.php






Die Siebenbürgische Zeitung berichtet in Ihrer Ausgabe 15/2011 über unser Museumsjubiläum und den 12. Tag der Raumfahrtgeschichte: http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/kultur/11490-40_jahr_feier-des-hermann_oberth.html





Amberger Zeitung, 24. August 2011








50 Jahre aktiv für die Raumfahrt
Goldene IFR-A